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Anamnesebogen in Leichter Sprache veröffentlicht
© Freedomz / stock.adobe.comDie Diakonie Stetten und die Landesärztekammer Baden-Württemberg haben gemeinsam einen Anamnesebogen in Leichter Sprache auf den Weg gebracht. Damit wird es für Patienten mit Beeinträchtigung – beispielsweise mit geistigen Behinderungen – leichter, behandelnden Ärztinnen und Ärzten wichtige Informationen zu ihren Beschwerden, Vorerkrankungen oder auch zur Medikamenteneinnahme strukturiert zukommen zu lassen. Das medizinische Personal wiederum profitiert von einer Entlastung im Praxisalltag.
Der Fragebogen hilft Patienten dabei, durch stark vereinfachte Ausdrucksweise, unkompliziertes und klar geregeltes Satzgefüge sowie Erklärungen von Fachausdrücken und Fremdwörtern Angaben zu ihrem Gesundheitszustand und zur Krankengeschichte zu machen. Er enthält eine Erklärung zum Datenschutz, Fragen zur Teilnahme an einem Hausarztprogramm, zum Impfpass, zum Vorliegen eines Schwerbehindertenausweises sowie zum Pflegegrad. Fragen zu Vorerkrankungen sind jeweils mit entsprechenden Bildern versehen.
Texte werden gegengelesen
Konkret erstellt wurde der Anamnesebogen vom Fachdienst Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache der Diakonie Stetten. Franziska Fibich, die selbst in der Prüfgruppe des Fachdienstes mitarbeitet, war federführend am Projekt beteiligt und sagt: „Für mich ist es beim Ausfüllen des Anamnesebogens beim Arzt immer sehr schwer zu verstehen, was ich alles angeben muss. Deshalb hatte ich die Idee, dass der Anamnesebogen in Leichte Sprache übersetzt werden könnte.“ Die 33-Jährige arbeitet in der Hauswirtschaft der Remstal Werkstätten in Schorndorf. Daneben ist sie in der Prüfgruppe aktiv, die die übersetzten Texte der Mitarbeitenden des Fachdienstes Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache prüft. Die Gruppe besteht aus sieben Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen und liest jeden übersetzten Text auf Verständlichkeit gegen.
„Wir haben anlässlich der Postkartenaktion ‚Schreib leicht‘ der Lebenshilfe Würzburg zum Internationalen Tag der Leichten Sprache am 28. Mai in der Prüfgruppe darüber gesprochen, in welchen Lebensbereichen Leichte Sprache fehlt. Dabei wurden verschiedene Bereiche genannt, wie z. B. bei der Bahn, bei Ämtern und Behörden oder bei Medien und Nachrichten. Frau Fibich hatte kurz vorher die Erfahrung gemacht, dass sie Schwierigkeiten beim Ausfüllen eines Anamnesebogens bei einem Arzt hatte“, erzählt Ergotherapeutin und Kommunikationspädagogin Frauke Jessen-Narr vom Fachdienst Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache. Mit Unterstützung der Mitarbeitenden gelang es, ihren Wunsch nach einem „besser verständlichen“ Anamnesebogen“ an die Landesärztekammer heranzutragen. Gemeinsam wurde anschließend das Projekt gestartet.
Aufwand wird erheblich reduziert
„Die Übersetzung des Anamnesebogens in Leichte Sprache ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Barrierefreiheit im Gesundheitswesen. Der Bogen stärkt die Selbstbestimmung von Patienten und sorgt für reibungslosere Behandlungsabläufe“, sagt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Denn das Fachpersonal könne effizienter seiner eigentlichen Arbeit nachgehen, wenn weniger Zeit für Erklärungen und Übersetzungen von Fachausdrücken in herkömmlichen Anamnesebögen beansprucht werde. Zudem könnten sich Ärztinnen und Ärzte ein viel vollständigeres Bild vom Gesundheitszustand ihrer Patienten machen und diesbezügliche Erkenntnisse in eine zielgerichtete Therapie einfließen lassen. „Auf den Punkt gebracht kann der barrierefreie Anamnesebogen den Erklär-, Korrektur- und Zeitaufwand auf fachlicher Seite erheblich reduzieren“, resümiert Dr. Miller.
„Die Ärztekammer war dem Thema gegenüber aufgeschlossen, worüber wir uns sehr gefreut haben. Oft machen wir die Erfahrung, dass unsere Hinweise im Sande verlaufen. Umso schöner ist es daher, dass wir jetzt einen Anamnesebogen in Leichter Sprache haben, den alle Arztpraxen in Baden-Württemberg nutzen können“, sagt Frauke Jessen-Narr und ergänzt: „Nicht nur Ärztinnen und Ärzte selbst können den Anamnesebogen herunterladen und später in der Praxis oder Klinik auslegen. Auch Patienten können den Bogen – im Vorfeld des Arztbesuchs – zu Hause ausdrucken, ihn beispielsweise mit Unterstützung eines Assistenten ausfüllen und ihn später zum Praxisbesuch einfach mitbringen.“
Franziska Fibich freut sich, dass ihre Anregung umgesetzt werden konnte und es nun einen verständlichen Anamnesebogen gibt. „Ich finde es wichtig, dass es solche Texte auch in Leichter Sprache gibt. Schließlich sollen die Menschen verstehen, was sie ausfüllen.“
Der barrierefreie Anamnesebogen ist auf der Webseite der Landesärztekammer Baden-Württemberg unter folgendem Link zu finden: https://www.aerztekammer-bw.de/merkblaetter.
