30. März 2025

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Öffentlichkeitsarbeit

Interview: Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz

Landesärztekammer-Präsident Dr. W. Miller im Interview© Landesärztekammer Baden-WürttembergDr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg

Stuttgart, 31. März 2025. Immer noch zieht es viele Ärztinnen und Ärzte auch aus dem Südwesten ins Ausland – und hier besonders in die Schweiz. Insgesamt 420 Ärztinnen und Ärzte (mit deutschem und ausländischem Pass) sind im vergangenen Jahr 2024 aus Baden-Württemberg ausgewandert, um im Ausland eine Tätigkeit aufzunehmen. 210 davon gingen in die Schweiz. Grund genug für den Südwestrundfunk (SWR), um sich im Rahmen eines Fernsehbeitrags mit diesen Entwicklungen zu beschäftigen. Dabei stellte der SWR auch die Frage, ob das Schweizer Gesundheitssystem nicht zu abhängig von ausländischen Fachkräften wird. Gesprächspartner des SWR war Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg.

Dr. Miller stellte zunächst fest, dass der Bedarf an gut ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten überall zugenommen habe – im Ausland genauso wie hierzulande. Die Ausübung der Heilkunde sei heutzutage quasi ein internationaler Beruf. Die Schweiz sei für viele aber etwas Besonderes. Die Versorgung sei etwas anders organisiert und Fachkräfte hätten gute Verdienstmöglichkeiten, sagte der Kammerpräsident. Andererseits seien die Arbeitszeiten länger als in Deutschland und die Lebenshaltungskosten deutlich höher. Sprache und Kultur kämen Fachkräften aus Deutschland natürlich entgegen. Und wenn die Ausbildungszahlen in der Schweiz selbst stagnierten, sei es klar, dass man sich mehr und mehr auf dem internationalen Markt bediene.

Aber auch in Baden-Württemberg arbeiteten zunehmend mehr Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland und würden bei der Gesundheitsversorgung dringend benötigte Unterstützung leisten, so Dr. Miller weiter. Der Kammerpräsident nannte in diesem Zusammenhang beispielhaft ärztliche und kammerseitige Anstrengungen, um die Versorgung am Laufen zu halten und ausländische Kolleginnen und Kollegen zu integrieren: So arbeitete die Ärztekammer seit diesem Jahr bei den Sprachprüfungen und Kenntnisprüfungen der ausländischen Kolleginnen und Kollegen noch enger mit dem Regierungspräsidium zusammen. Und die Förderung der Weiterbildung sei bei den angehenden Hausärzten fest etabliert – dasselbe müsse für die jungen Fachärztinnen und Fachärzte möglich sein. Zudem sprach Dr. Miller auch über notwendige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen hierzulande wie beispielsweise Bürokratieabbau.