07. Januar 2026
Umfrage zu Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte
© Adobe Stock / asiandelightAnfang des Jahres hat das Deutsche Ärzteblatt eine Umfrage zu Gewalterfahrungen von Ärztinnen und Ärzten veröffentlicht. Demnach haben zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) im beruflichen Kontext bereits Gewalt erlebt. 56 Prozent berichten, dass Gewalt in ihrem Berufsalltag zugenommen hat. Hotspots sind in der ambulanten Versorgung vor allem die Anmeldung und Wartebereiche, im stationären Bereich insbesondere die Notaufnahmen. Die häufigste Gewaltform sind verbale Übergriffe (89 Prozent), gefolgt von körperlicher Gewalt (47 Prozent). Rund 40 Prozent berichten von psychischer Gewalt, 16 Prozent von diskriminierenden Übergriffen aufgrund von Herkunft oder Religion.
Dazu erklärte Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt: „Wer Helferinnen und Helfer angreift, zerstört das Vertrauensverhältnis, auf dem medizinische Versorgung beruht, und gefährdet damit die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitswesens. Angriffe auf Beschäftigte in Kliniken, Praxen, im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr müssen daher konsequenter verfolgt und deutlich härter bestraft werden.“
Neuer Gesetzesentwurf
Der kurz zuvor vom Bundesjustizministerium vorgelegte Gesetzentwurf zur „Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens“ sei deshalb ausdrücklich zu begrüßen. Er sehe Freiheitsstrafen von mindestens drei Monaten vor, wenn Ärztinnen und Ärzte sowie andere Gesundheitsberufe durch Gewalt an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert werden. Bei tätlichen Angriffen drohten sogar Freiheitsstrafen von mindestens sechs Monaten.
Für Dr. Reinhardt war klar: „So richtig und notwendig diese Maßnahmen sind, bleibt dennoch entscheidend, dass Strafverfolgungsbehörden ausreichend ausgestattet werden und Anzeigeverfahren einfacher, schneller und niedrigschwelliger gestaltet sind.“
Als Maßnahme nach erfahrener Gewalt empfiehlt die Landesärztekammer Baden-Württemberg allen Betroffenen, unmittelbar nach körperlichen und/oder verbalen Gewaltvorfällen die Erstattung einer Anzeige bei der Polizei zu erwägen.
Meldestelle der Landesärztekammer
Ergänzend hat sie die Meldestelle „Gewalt gegen medizinisches Personal“ eingerichtet, um eine konkrete Vorstellung über Zahlen und Formen von ausgeübter Gewalt erhalten: Mit dem Online-Fragebogen haben Ärztinnen und Ärzte aus allen Fachgebieten und Tätigkeitsbereichen in Baden-Württemberg die Möglichkeit, innerhalb weniger Minuten Gewaltvorfälle an die Landesärztekammer anonym zu melden. Zudem können auch Gewaltvorfälle gegen Mitarbeitende (MFA etc.) auf dem Fragebogen erfasst werden – auch hier wird um entsprechende Meldung seitens der betroffenen Ärztinnen und Ärzte gebeten.
Weitere Informationen finden Sie hier.
