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Was kann ich tun? Wie kann ich vorbeugen?
Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte

Was kann ich tun, wenn ich Gewalt erlitten habe?

Wie kann ich Gewalt vorbeugen?

Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte ist vollkommen inakzeptabel!

Die Landesärztekammer nimmt in vielfältiger Weise die Berufsinteressen ihrer Mitglieder wahr. Dazu gehört auch, sie zum Thema Gewalt zu informieren und so zu ihrem Schutz beizutragen. Damit kommt die Ärztekammer ihrer Fürsorgepflicht für die Mitglieder nach.

Wer sich gefährdet fühlt oder sogar schon angegriffen wurde, kann sich nachstehend informieren und Hilfe finden.

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Zunahme von Gewalt

Nach aktuellen Erhebungen haben rund 43 Prozent aller an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte in den vergangenen fünf Jahren bei der Ausübung ihrer Tätigkeit körperliche und andere Gewalt erlebt. Im Jahr 2023 wurden 60 Prozent von ihnen Opfer. Ähnliche Zahlen werden auch aus den Kliniken berichtet. Und nicht nur Ärztinnen und Ärzte sind betroffen, sondern medizinisches Personal insgesamt. Die Fälle reichen von Beschimpfungen über Tritte, Schubsen und Spucken bis hin zu schweren Angriffen. Neben verbaler und physischer Gewalt kommt es immer häufiger auch zu sexualisierter und digitaler Gewalt. Zunehmend wird leider auch beobachtet, dass es interkollegiale  zu Gewalt kommt.

Verbale Gewalt nimmt in der Regel zu, je größer die Einrichtung ist, während körperliche Gewalt mehr wird, je kleiner die Praxis oder Klinik ist. Die zunehmenden Angriffe bleiben nicht folgenlos: Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte sowie deren Mitarbeitenden berichten, dass ihnen der Beruf deshalb keinen Spaß mehr mache und es noch schwieriger werde, gutes Personal zu halten oder zu gewinnen.

Veränderte Arzt-Patient-Beziehung?

Als einen der vielen Gründe für die gestiegene Gewaltbereitschaft sehen viele Betroffene in einem gestiegenen Anspruchsdenken von Patientinnen und Patienten (das auch einen allgemeinen gesellschaftlichen Trend widerspiegele). Häufig geht es dabei um zeitnahe Termine, Rezepte oder bestimmte Untersuchungen, die eingefordert werden. Gleichzeitig sind viele Patientinnen und Patienten frustriert, was sich oft in Beleidigungen und Beschimpfungen äußert. So können aus kooperativen Patienten offenbar immer häufiger teilweise fordernde bis kritische oder aggressive Kranke werden.

Zerstörerisches Verhalten oder gar Gewalttaten sind jedoch keinesfalls vereinbar mit einer ärztlichen Behandlung!

Was ist Gewalt?

Als Gewalt werden Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge bezeichnet, in denen oder durch die auf Menschen oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird. Auch die bloße Androhung von Gewalt ist als Gewalttat anzusehen.

Entscheidend für den Unterschied zwischen Gewalt und Aggression ist das Erleben der Zielperson, nicht das Verhalten der Gewalt ausübenden Person.

Wie kann man sich vor Gewalt schützen?

Ärztinnen und Ärzte sollten sich auf die Konfrontation mit Aggressoren und aggressivem Verhalten im Verlauf ihrer Tätigkeit vorbereiten und sich bewusst machen, welche Gefahren bestehen. Bei Hausbesuchen und Notfalldiensten (Notfallpraxis oder Zentrale Notaufnahme) müssen besondere Schutzmaßnahmen ergriffen werden (z.B. Positionierung, die schnelle Flucht ermöglicht). Räumliche Bedingungen sind so zu gestalten, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie weiteres medizinisches Personal geschützt sind.

Wie lässt sich eine Eskalation verhindern?
  • ListItem

    Wahrnehmung von Vorzeichen (bspw. grenzüberschreitendes Verhalten, laute Sprache),

  • ListItem

    nach Hilfe rufen bzw. Hilfe holen,

  • ListItem

    Kommunikation und Ansprechen,

  • ListItem

    dabei ruhig bleiben,

  • ListItem

    Störer mit „Sie“ ansprechen,

  • ListItem

    nicht selbst provozieren,

  • ListItem

    kein Körperkontakt!

Maßnahmen bei erlittener Gewalt:
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    Beweissicherung:
    - zeitnahe und rechtssichere Dokumentation

    - (Handy-) Fotos

    - Zeugen notieren

    - eventuell Gedächtnisprotokoll erstellen

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    Gewaltambulanzen in Baden-Württemberg:

    Die Gewaltambulanz stellt ein niederschwelliges Angebot für von Gewalt betroffene Menschen dar. Untersuchungen durch speziell dafür ausgebildete Ärztinnen und Ärzte aus dem Fachgebiet der Rechtsmedizin ermöglichen in vielen Fällen die Erhebung objektiver Befunde und die Sicherung von Spuren, die einen wichtigen Beitrag zur Klärung des Falles leisten können. Im Fall eines Straf- oder Zivilverfahrens können Rechtsansprüche besser geltend gemacht werden, wenn objektive Sachbeweise vorliegen.

    Stuttgart

    Heidelberg

    Freiburg

    Ulm

  • ListItem

    Anzeige erstatten

  • ListItem
Informationen des Landeskriminalamts
Gewaltprävention

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat zur Gewaltprävention folgende Empfehlungen zusammengestellt:

Präventive Maßnahmen
  • Schulungsmaßnahmen: Nehmen Sie an Schulungen und Trainings zur Gewaltprävention teil.
  • Bauliche Maßnahmen: Gestalten Sie Ihr Arbeitsumfeld auch unter dem Gesichtspunkt der Gewaltprävention. Achten Sie beispielsweise auf ausreichende Beleuchtung und eine Zutrittskontrolle, um ein sicheres Umfeld zu schaffen. Trennen Sie möglichst den Empfangs- vom Wartebereich, um Solidarisierungseffekte zu vermeiden.
  • Persönliche Daten schützen: Lassen Sie keine Patientenunterlagen offen liegen und seien Sie vorsichtig mit der Veröffentlichung persönlicher Informationen in sozialen Netzwerken.
  • Einzelgespräche: Empfangen Sie möglichst nur eine Person in Ihren Behandlungsräumen, um leichter die Kontrolle über die Situation zu behalten.
  • Absprachen treffen: Treffen Sie Absprachen oder vereinbaren Sie Codewörter im Kollegenkreis, um im Ernstfall schnell Hilfe zu erhalten.
  • Kollegiale Information: Informieren Sie Ihr kollegiales Umfeld über auffällige oder kritische Patienten. So können Sie gemeinsam frühzeitig reagieren.
  • Kommunikation und Gesprächsführung: Wenden Sie gesprächsfördernde Aspekte an, wie eine offene Körperhaltung, Blickkontakt halten, zeigen Sie Interesse und hören Sie aktiv zu.
  • Beseitigen von Gefahrenquellen: Lassen Sie potenzielle „Waffen“ wie Scheren, Brieföffner und Kanülen oder Wurfgeschosse wie Glasflaschen niemals offen herumliegen. Bewahren Sie diese sicher auf.
  • Rückzugsmöglichkeiten schaffen: Stellen Sie sicher, dass Sie jederzeit einen freien und kurzen Weg zur Tür haben. 
Verhalten im Ernstfall
  • Ruhe bewahren: Bei aggressiven Personen ist es wichtig, ruhig und selbstbewusst zu bleiben. Dies kann deeskalierend wirken.
  • Sachliche Kommunikation: Halten Sie den Kontakt zu Ihrem Gegenüber aufrecht. Sprechen Sie ruhig und deutlich, und vermeiden Sie persönliche Angriffe.
  • Kollegiale Unterstützung suchen: Rufen Sie Ihr Praxispersonal hinzu, wenn Sie den Konflikt nicht alleine lösen können. Personelle Unterstützung kann oft beruhigend wirken. 
  • Distanz: Halten Sie außerhalb der eigentlichen Untersuchung einen angemessenen Abstand zu aufgebrachten Patienten, indem Sie Möbel wie Schreibtische als Barriere nutzen.
  • Öffentlichkeit herstellen: Bei bedrohlichen Situationen sollten Sie andere Personen auf Ihre Situation aufmerksam machen, denn Öffentlichkeit kann schützen.
  • Hilfe anfordern: Zögern Sie nicht, Alarm auszulösen oder die Polizei zu informieren, wenn Sie sich bedroht fühlen.
  • Entziehen Sie sich körperlichen Angriffen: Ihre Gesundheit ist wichtiger als die Akten oder die Praxiseinrichtung.
Nach einem Vorfall
  • Opferbetreuung: Kümmern Sie sich um die betroffene Person und leisten Sie gegebenenfalls medizinische Hilfe.
  • Dokumentation: Halten Sie den Vorfall fest, informieren Sie Ihr Praxispersonal und werten Sie diesen gemeinsam aus.
  • Hausverbot: Erteilen oder Erwirken Sie gegebenenfalls ein Hausverbot.
  • Rechtliche Schritte: Erstatten Sie bei Straftaten Anzeige bei der Polizei.

Beratung und Unterstützung: Ziehen Sie professionelle Unterstützung in Betracht (z.B. Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, Trauma-Ambulanzen, Opferhilfevereine wie z.B. der Weisse Ring e.V. etc.)